Montag, 15. Oktober 2012

Der Zeitbegriff in der Relativitätstheorie

1. Unsere angeborene Vorstellung von Zeit

Dass die Gleichzeitigkeit von zwei Ereignissen eine reale Tatsache ist, die nicht von den Sinneseindrücken unterschiedlicher Beobachter abhängt, ist uns als Verstandeswahrheit angeboren und wird durch die Erfahrung bestätigt. Daraus folgt, dass jeder Zeitpunkt im gesamten Raum der selbe ist. Das bedeutet, dass die absolute Zeit universell, also überall gilt.

Der gleichmäßige Verlauf der Zeit ist uns als logisch-abstrakte Vorstellung angeboren. Der Verlauf der Zeit kann nicht vom Gang von Uhren abhängen, die ungleichmäßig gehen. Wenn die Uhr nicht gleichmäßig geht, so korrigieren wir die Uhr, nicht aber die Zeit. Auf der Vorstellung von gleichmäßig verlaufender Zeit beruht das Prinzip der Uhr, denn nur gleichmäßig gehende Uhren eignen sich zum Messen von Zeitrelationen (Zeitspannen). Wenn die Maßeinheit von einer Sekunde stets die selbe Größe haben soll, so setzt dies den gleichmäßigen Gang der Uhr voraus. Auch wenn die Uhr nicht vollkommen gleichmäßig geht, so beruht sie doch auf der perspektivischen Idee von gleichmäßig verlaufender Zeit.

2. Die relativistische Definition von Gleichzeitigkeit

In der Relativitätstheorie wird Gleichzeitigkeit so definiert, dass sie von den optischen Sinneseindrücken unterschiedlicher Beobachter abhängt. Gleichzeitig ist, was ein Beobachter gleichzeitig wahrnimmt. Da es viele Beobachter gibt und ihre Wahrnehmungen durch unterschiedliche Lichtlaufzeiten beeinflusst werden, ist Gleichzeitigkeit auf Grund dieser Definition relativ. Wenn die Gleichzeitigkeit eines jeden Augenblicks relativ ist, so ist die Zeit relativ. Daher gibt es keine universelle Zeit. Die Verabsolutierung der unterschiedlichen Wahrnehmung der einzelnen Beobachter hat zur Folge, dass es keine objektive physikalische Wirklichkeit gibt. Es gibt nur die subjektiven Wirklichkeiten der Beobachter. Diese Sichtweise mag in der Psychologie angebracht sein, nicht aber in der Physik.

Die Zeit ist relativ allein auf Grund der unlogischen und willkürlichen Definition von Gleichzeitigkeit. Diese Definition  ist der Kern der Relativitätstheorie. Der Rest der Theorie besteht aus Hypothesen, welche die relativistische Auffassung von Zeit untermauern sollen, aber statt dessen Ansatzpunkte zur Kritik und zur Widerlegung der Theorie bieten.

3. Der Verlauf der Zeit

Die Relativitätstheorie setzt den Verlauf der Zeit gleich mit dem Gang von Uhren. Weil Uhren meist unregelmäßig, jedenfalls auf Dauer niemals absolut gleichmäßig gehen, verläuft die Zeit nach der Relativitätstheorie  unregelmäßig. Selbst moderne Atomuhren weichen in mehreren Millionen Jahren um eine Sekunde vom gleichmäßigen Gang ab. Als Uhr im erweiterten Sinn kann man auch jeden gleichmäßig verlaufenden physikalischen Vorgang auffassen. Der Gang von Atomuhren wird möglicherweise durch Schwerkraft und Beschleunigung beeinflusst. Anstatt daraus auf die Relativität der Zeit zu schließen, wäre es besser, Atomuhren nicht wechselnder Schwerkraft und Beschleunigung aussetzen, um ihren gleichmäßigen Gang nicht zu stören.

4. Was also ist Zeit?

Die Erkenntnisse von Isaac Newton, Georg Wilhelm Leibniz und  Immanuel Kant sowie die evolutionäre Erkenntnistheorie (Konrad Lorenz und andere) führen zu nachstehenden Überlegungen.

Zeit ist ursprünglich eine Eigenschaft der Welt. Die Zeit besteht in den Zeitrelationen (Abständen in der Aufeinanderfolge) zwischen Ereignissen und Veränderungen. Dies ist der materielle Aspekt der Zeit.  *) Die moderne Physik beschränkt sich auf den relationistischen Zeitbegriff und behauptet überdies die Relativität der Zeitrelationen. Relativ sind jedoch lediglich die Sinneseindrücke der Beobachter in der Relativitätstheorie.

Auf der Grundlage der in den Zeitrelationen gegebenen zeitlichen Strukur der Welt ist im Laufe der evolutionären Entwicklung des Verstandes die Zeit als angeborene Struktur des Denkens und Erkennens entstanden. Es ist die Vorstellung der absoluten Zeit, die universell gilt und gleichmäßig verläuft. Dies ist der abstrakte Aspekt der Zeit. Gleichzeitigkeit und Zeit können nicht willkürlich definiert werden, weil sie als angeborene Denkformen die Voraussetzung für jede Wissenschaft sind.

Ohne die universelle Zeit (die aus der absoluten Gleichzeitigkeit folgt) können wir uns kein einheitliches Bild von der Wirklichkeit machen, weil sich andernfalls die Welt in die subjektiven Wirklichkeiten unzähliger Beobachter auflöst. Ohne die Vorstellung von gleichmäßig verlaufender Zeit würden wir keine Uhren bauen und keine Zeitspannen messen. Damit erweist sich die absolute Zeit als logisch-mathematisches Prinzip, das durch keine Theorie und durch kein Experiment widerlegbar, sondern Voraussetzung der Physik als Wissenschaft ist.


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*) Nachtrag vom August 2015
Aufgrund des Fortschritts meiner Zeitphilosophie geben meine hier enthaltenen zeitphilosophischen Überlegungen nicht den aktuellen Stand wieder. Siehe dazu  meine Theorie der Zeit  unter www.zeitrelationen.blogspot.de

    

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